Was andere in deinem Bild sehen, ist ihre Sache – doch manchmal bringt es dich auch weiter
- 25. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Du malst ein Bild, ganz intuitiv und ohne Vorlage. Wenn zehn Leute auf dein Bild schauen, dann bekommst du mit ziemlicher Sicherheit auch zehn verschiedene Interpretationen, was dein Bild bedeuten könnte. Eine sieht den Baum als Metapher für Wachstum, eine andere sieht darin ein Hindernis, das es zu bewältigen gilt. Konträrer geht es doch gar nicht, oder? Aber dein Bild ist trotzdem zu 100 % richtig. Denn es ist deines. Und am Ende zählt nur, was du in diesem Bild siehst.

Warum sieht jede*r etwas anderes in meinem Bild?
Ein Gegenstand ist nie einfach nur ein Gegenstand. Für die eine ist eine Sonnenblume die Erinnerung an einen Urlaub, für die andere das Beet der Großmutter. Auch Farben wirken nie neutral: Gelb kann für dich Aufbruch bedeuten, für jemand anderen einfach nur "zu grell". Diese Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen – aber eines bleibt dabei immer gleich: jede Interpretation ist richtig.
Woher das kommt? Wir sammeln im Laufe unseres Lebens unterschiedliche Erfahrungen und Erinnerungen. Unbewusst spielen dabei bestimmte Gegenstände, Farben oder auch Gerüche eine Rolle – und je nachdem, wie diese Erfahrung war, bleibt sie in uns gespeichert. Bei jedem Menschen anders, weil eben auch jeder ein anderes Leben gelebt hat. Am Ende zählt deshalb nur eine Interpretation deines Bildes: deine.
Muss ich erklären können, was mein Bild bedeutet?
Nur weil du eine Interpretation für dein Bild gefunden hast, heißt das noch lange nicht, dass es dabei bleibt. Erklären musst du gar nichts – oft lässt sich das, was im Bild steckt, ohnehin schwer in Worte fassen. Genau das macht Bilder so kraftvoll. Aber: andere Sichtweisen können dir neue Einblicke geben. Ob du die annimmst, bleibt trotzdem immer deine Entscheidung.
Was bringen mir fremde Interpretationen dann überhaupt?
Denk an den Baum von vorhin. Vielleicht hast du ihn gemalt, weil du an ein Hindernis gedacht hast, das du gerade überwinden musst. Dann steht eine andere Teilnehmerin davor und sagt: "Für mich ist das pures Wachstum." Erst zuckst du vielleicht zusammen – so hast du das Bild nie gesehen. Aber der Gedanke bleibt hängen. Vielleicht steckt nach der Überwindung des Hindernisses tatsächlich auch Wachstum dahinter.
Genau so werden fremde Deutungen zu einem Interpretationsangebot: sie ersetzen deine nicht, aber sie können sie ergänzen. Wie im Supermarkt – viele Angebote im Regal, aber du entscheidest, was du mit nach Hause nimmst. Manchmal lohnt es sich trotzdem, über die Interpretation eines anderen zumindest kurz nachzudenken. Vielleicht sieht da jemand eine Ebene deines Bildes, die zwar schon längst da war, dir selbst aber noch nicht aufgefallen ist.
Wie das im VoM-Atelier konkret aussieht
Am Ende eines VoM-Atelier-Abends passiert genau das. Alle Bilder stehen nebeneinander, und ihr schaut sie gemeinsam an – nicht als Bewertung, sondern als Austausch. Jede holt sich die Interpretationen der anderen ab und kann, wenn sie will, auch ihre eigene Interpretation erzählen. Das muss aber nicht sein, denn es ist dein ganz persönliches Bild – du entscheidest, was du davon preisgeben magst.
Und genau das macht den Abend aus: du gehst nicht nur mit einem fertigen Bild nach Hause, sondern auch mit ein paar Gedanken dazu, die vorher nicht da waren. Und weil jedes Thema anders ist – Aufbruch, Stille, Erinnerungen, was gerade dran ist – lohnt sich auch der zweite oder dritte Abend. Das Bild ändert sich, die Fragen dahinter auch.
Übrigens: auf Instagram zeig ich immer wieder Einblicke aus dem Atelier – schau gern vorbei, wenn du Lust auf mehr davon hast.
Lust, es selbst auszuprobieren? Die nächsten Termine im VoM-Atelier findest du hier.
